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max 


Ort: Griechenland
Erstellt von: Gerard

Griechische Impressionen Hellas, die Wiege der europäischen Kultur, wo die Demokratie, unsere Philosophie ihren Ursprung nahm, daher nach wie Ziel klassischer Bildungsreisen, lockt uns wieder. Es war einer der letzten lauen Sommerabende im späten August Anfang der 80er Jahre, als wir ins große Vaterland des Geistes aufbrachen. In Gedanken vor uns antike Säulen, Tempel, Steintheater, weißer Marmor vor dem Opalblau des Meeres, Weinberge, Olivenhaine, einladende Tavernen, bunte Fischerboote, einsame Buchten, unberührte Strände, aber auch Touristenleben – all das erwartet uns in Griechenland. Solche Träumereien erleichtern einem die doch etwas anstrengende Fahrt über Ungarn und Jugoslawien in das Land des vollkommenen Lichtes, der unvergleichlichen Helle des Sommers, die uns immer wieder verzaubert und verzaubert hat. Nach einem schnellen Frühstück abseits der Hauptstraße an einem frischen Morgen, sind wir zu Mittag bereits im heißen Nordgriechenland. Die Gluthitze raubt einem fast den Atem. Nach etwa 24 – stündiger Fahrt begrüßen uns unsere alten Freunde Chrestos und Nikos mit ihrer Familie wie alljährlich sehr überschwänglich, hier, in diesem kleinen ehemaligen Fischerdorf in der Nähe der ersten Hauptstadt des von den Türken befreiten Griechenland. Wir hatten die Nationalstraße bei Thive, dem alten Theben, verlassen, um Athen links liegen zu lassen und über damals noch alte, urige Straßen nach Elefsina zu gelangen. Elefsina, die alte Stadt des Demeter-Kultes, wo seinerzeit sich die Griechen tagelangen Orgien hingaben, bewußtseinserweiternde Drogen nahmen. Entlang dem Meer, auf der von EU-Geldern finanzierten und in den Fels gesprengten Nationalstraße genossen wir den Blick zurück auf Piräus, auf Athen, bevor wir den Kanal von Korinth, nach Plänen Neros erbaut, überquerten, und in die freundliche Argolida eindrangen. Vom heißen Klima gezeichnet, ging es vorbei am herakleischen Weinbauort Nemea, am rossenährenden Argos, so Homer in der Ilias, und an der Burg Larissa vorbei, die majestätisch auf einem Berge protzt, Richtung Nafplio, der Stadt mit dem angeblich besten und gesündesten Klima Griechenland. -- 2 -- Bei einem Ouzo tauschen wir Freundlichkeiten und Erinnerungen aus, ehe wir nach fast 2000 km Fahrt vollends erschöpft uns zur Ruhe betten. Als ich am Morgen die Balkontüre öffne, ist die Sonne längst am wolkenlosen Himmel aufgegangen. Alles liegt im weißen Licht unter mir, die Straßen, die Dächer des Dorfes, die Landschaft mit ihren Hainen, Olivenwäldern. Als wir nach dem Frühstück aus dem kleinen Haus treten, müssen wir die Augen schließen und lange suchen wir den Wege noch blinzelnd, bis wir uns an die Helle von Helios gewöhnt haben. Ich bin wieder in Hellas, schießt es mir durch den Kopf, der vom Ouzo noch nicht ganz klar ist. Ich entsinne mach meines alten gutherzigen Griechischprofessors, mit dem ich wegen Lappalien gar manchen Strauß ausgefochten hatte, als ich vor Jahren in der Adoleszenz gar zu Vieles noch als weltbewegend empfunden hatte. Ich ertappe mich beim Auflachen. Inzwischen sind wir auf eine kleine Anhöhe gelangt, von wo man das Meer bzw. die Bucht kilometerweit überblicken kann. Lange habe ich diesen genussreichen Anblick herbeigesehnt, auch wenn er mich jetzt blendet. Der Eindruck eines über der Küste schwebenden Paradieses, einer weichen, sanften Idylle am Meer. Ich atme Götterhauch der Seligkeit, Luft der Geschichte, die Brise der Achäer/Mykener und der Spartaner. Die Verbindung des tiefblauen, heiter glänzenden Meeres, der Bucht ist vollendete Schönheit. Ich denke, wer einmal in Hellas war, trägt in sich, in seinem Herzen eine Erinnerung an dieses Lichtwunder, keine Strahlenglut, vor der man die Augen abwenden muss, sondern eine durch die trockene Hitze leuchtende Helligkeit überall, die Nähe von Klarheit umflossen, und auch noch die Ferne deutlich ….. Blau leuchten Himmel und Meer, fahlweiß in der Ferne die Häuser des Dorfes. Blau-weiß. Die nächsten Tage dienen der Akklimatisierung und der Erholung vom mitteleuropäischen Treiben und Stress. Ein griechischer Hafenpolizist, mit dem ich in einer kleinen Taverne am Strand ins Gespräch gekommen war, hatte mir von der armen Mani erzählt, vom auswegslosen Elend seiner Familie, worauf wir beschlossen, dieses Gebiet zu besuchen. Durch Nafplion, das wir später noch genauer unter die Lupe nehmen wollen, fahren wir entlang der Küste bis Mili, einem kleinen unscheinbaren -- 3 -- Dorf südlich von Argos, das vielen Griechen noch als letzte große Souvlaki - Station vor dem mühsamen Aufstieg in die Berge Arkadiens kennen. Hier befindet sich auch ein Hügel, fast unbeachtet, unter dessen Oberfläche erstaunliche Spuren davon zeugen, dass vor über 15000 Jahren, also im Neolithikum, hier Menschen lebten, deren Begräbnisriten einen erstaunliche Übereinstimmung mit den Gewohnheiten der frühen Einwohner von Catal Hüyük demonstrieren, Catal Hüyük, drüben in Kleinasien gelegen, wahrscheinlich eine der ältesten Städte der Welt. Andererseits ist erst nicht einmal 2 Jahrhunderte her, dass hier ein paar griechische Kompanien die türkische Armee des Ibrahim Pascha lange genug aufhielten, um dem ganzen Krieg eine entscheidende Wende zu geben.- Leider begnügen sich die durchfahrenden Touristen mit einer Handvoll Souvlaki-Stäbchen, kriechen in ihre Autos zurück und verlassen Mili, ohne einen Blick auf die geschichtsträchtige, staubige Landschaft zu werfen. Wir erklimmen mit unserem verlässlichen Toyota die Passhöhen Arkadiens und werfen letzte Blicke zurück über den Golf. Links und rechts neben der Straße wilder Efeu, Ginstersträuche, herber Geruch strömt ins Auto. Sender Tripolis beschert uns urige griechische Musik. Gelbäugige Ziegen, geduldige Schafe neben der Straße, während vom Himmel die Hitze tropft. Auch die Landschaft Lakonia, mit prallem Glanz der Zitrusbäume, der Maulbeerbäume, über deren grünbeblätterten Kronen der weiße Widerschein des Parnon-Gebirges und des Taygetos hängt, sinkt, wie von einer Zauberhand berührt, in unser Herz. Dazu ein süßlich betäubender Geruch eines afrikanischen Shirokko, der als lebensspendendes Elixier in uns eindringt und uns verändert. In solcher Verzauberung liegt aber Gefahr. Denn die Peloponnes ist bei aller scheinbaren und wirklichen Kargheit und Bedürfnislosigkeit eine ungemein pathetische Landschaft, die einen völlig umstülpt. Es sind Bilder von schwerblütiger Sinnlichkeit, an die man sich verliert, aber auch viel zu leicht an den herben Zauber der Peloponnes. Die Landschaft hingegen ist charaktervoller und wahrhaftiger. Sie schluckt seit Jahrtausenden die Hinterlassenschaften der Menschen und bleibt sich selbst stets treu.  4 – Es ist freilich eine Landschaft, die man nur bruchstückweise in sich aufnehmen kann, gleichsam Bild für Bild einsaugend, langsam, behutsam und immer darauf bedacht, nicht irgendwelchen falschen Göttern zu opfern. Und weil die Peloponnes ein ehrfurchtsgebietender Kontinent ist, braucht es wahrscheinlich mehr als ein Menschenalter, bis man hinter das Geheimnis kommt, das den Charakter der Landschaft bestimmt. Die Mani erstreckt sich über die zwei östlichen Finger des Peloponnes. Die Ausläufer des Taygetos bilden, südlich von Sparta, eine faszinierende wilde Berglandschaft. Zerklüftete Schluchten, sanfte Olivenhaine und allgegenwärtig das weite, blaue Meer. Das Land ist karg und steinig, irgendwann gen Süden endet der Wald. Charakteristisch sind jedoch die dunklen Zypressen, deren Silhouetten einen unvergleichlichen Kontrast zu der felsigen Küstenlinie und dem gleißenden Meer bilden. Uralte Dörfer mit noch älteren Kirchen kleben in schwindelnder Höhe an den Hängen, es sind auch steinerne Türme, gebaut als Festungen gegen Feind zu Wasser und zu Lande, wobei der Feind oftmals der eigene Nachbar war und Blutrache bis in die jüngste Vergangenheit nicht auszurotten war. Andere Dörfer liegen in winzigen Buchten, an kristallklarem Wasser, umgeben von kiesel- und wenigen Sandstränden. Zwei gut ausgebaute Straßen führen durch die Mani, die eine von Kalamata kommend durch die Küstendörfer Kardamili, Agios Nikolaos, Pirgous Dirou, Gerolomini, Vathia bis Kap Tenaron/Matapan, wo sie vor dem Schlund des Hades nach Osten abbiegt und über die Dörfer Laja, Kotronas nach Githio zurückkehrt, wo sie mit der zweiten, von Sparta kommenden Straße zusammen trifft. Githio präsentiert sich in den ersten Tagen nach unserer Ankunft eher unfreundlich (allerdings nur vom Wetter her), sodass unser Eindruck einer unfreundlichen, kargen Landschaft dadurch noch verstärkt wurde. Abgesehen davon scheint mir diese alte Stadt eine der schmutzigsten Griechenlands zu sein. Allerdings ist griechische Gastfreundschaft hier noch an bestimmten Orten Tatsache. Githio, auf felsigem Boden erbaut, mit klassizistischen Häusern, in verschiedenen Pastellfarben gestrichen, gibt aber der Landschaft doch eine friedliche Note. Die Stadt war zu den Zeiten der Spartaner deren -- 5 -- Kriegshafen gewesen, und wer die Geschichte der Entführung Helenas kennt, weiß sicher auch, dass sich hier die Entführer Helenas einschifften (sofern man von Entführung sprechen kann, schließlich floh ja Helena freiwillig!). Reist man von Githio einige Kilometer weiter, bietet sich einem ein herrlicher Blick auf die Hänge des Taygetos, der in einem wilden Felsgrat auf der langen, unsagbar armen Mani ausläuft, deren südlichster Teil auch heute nur sehr schwierig zu erreichen ist. Ziemlich abgeschlossen lebt hier ein Menschenschlag, der sich selbst als die letzten Nachkommen der Spartaner bezeichnet. Der Wind trägt Düfte von Thymian und Minze zu, oftmals auch der Oleander neben den Straßen. Man vermag, hier auf der Peloponnes, auf einer Strecke von 150 km beispielsweise, tief verschneite Pässe und unterm eisigen Winterfrist erstarrte Tannen zerklüftete Schluchten, in deren Tiefe rauschende Sturzbäche arbeiten, die braungelb verfärbten Rundungen endloser Dünen und die gefährlichen Steilhänge zersplitterter Küstenfelsen erkennen, gegen die das Meer in blinder, endloser Wut anrennt; man sieht dabei das Dunkelgrün von Nadelbäumen, das Graugrün der Macchia und das Hellgrün der Früchte tragenden Obstplantagen, dazwischen das unverwechselbare Silber der Olivenbäume, das strahlende Weiß der Mandelbäume, die rötliche oder rostfarbenen Erstarrung karger Hochflächen, auf denen Millionen abgeschliffener Steine liegen. Man unterscheidet in solchen kurzen Strecken, die in einer einzigen Provinz liegen können, etwa in Arkadien, Messenien oder Lakonien, alle Temperaturmöglichkeiten, die Europas Jahreszeiten zu erzeugen vermögen, und zwar von den gemäßigten und geläufigen bis zu den extremsten! Man entdeckt verschiedenen Formen der Architektur, unterschiedliche Zubereitungsarten des Gemüses und des unvermeidlichen Schaffleisches, man ist mit einem Dutzend Dialekten und einer Unzahl von Geschichten konfrontiert. Man verehrt verschiedene Heilige und ist fast erstaunt darüber, dass es wahrhaftig nur eine Panagia gibt, die Gottesmutter. Die Bewohner der Peloponnes sehen seit Jahrzehnten oft keine Möglichkeit mehr, in ihrer Heimat zu bleiben, sofern es nicht Fremdenverkehr gibt. Es fehlt teilweise an Wasser, an medizinischer Versorgung, an brauchbarer Erde, an Industrie, an Arbeitsplätzen, oder an allem zusammen. Die Götter, in antiken Zeiten Helfer in höchster Not, sind endgültig verstummt. Ihre christlichen Nachfolger taugen dem Anschein nach nur zu frommen Gebet und zur vagen Aufforderung, stets demütig zu sein. Dies sind hier ohnedies. Sie bewahren auch die Idylle, die wir gerne genießerisch bewundern, bis zur Selbstverleugnung. Manchmal beschleicht einen das Gefühl, die Menschen hier darben, damit sie uns das Abbild einer urtümlichen, charaktervollen Natur vorführen können. Nun, hinter der Idylle mit Ölbaum, Ginster und schimmerndem Meer verbirgt sich nicht selten das Elend. – Es gibt auch den Hunger, die Kälte, die mörderische Sonne, die Arbeitslosigkeit, die Hoffnungslosigkeit. Wer das verschweigt, hat noch immer nicht begriffen, dass die Peloponnes nicht nur eine Landschaft für Götter, sondern auch eine Heimstätte für Dämonen ist. Wollte mich jemand fragen, was meiner Meinung nach die intensivste, beeindruckendste, die bemerkenswerteste Landschaft der griechischen Welt sei, so würde ich antworten: Die Mani, das Land der unheimlichen Kampf- und Geschlechtertürme. Eine heldenhafte, mythische Landschaft, die eben nicht nur ihre Jahrhunderte alte Unberührtheit, sondern auch den dazu gehörigen Charakter einzubüßen im Begriffe ist, was wohl damit zusammen hängt, dass erstens die modernen Manioten nicht mehr viel von diesem klassischen Stolz haben, für den sie einmal berühmt oder zumindest berüchtigt waren, und zweitens der Fremdenverkehr verdirbt und Küste um Küste entjungfert. Stets sind und waren es dieselben Eindrücke von schöner Einfachkeit, an die ich mich zurück erinnere. Wilde Feigen- und Ölbäume, einige Johannisbrotbäume, die der hier ewig blasende Wind beugte. Kaum die Spur einer Landwirtschaft an den wenig windgeschützten Händen oberhalb des rollenden und stampfenden Meeres, und schwärzlich-braune Schweine, magere Ziegen, Schafe, und Kinder mit großen, leeren Augen. Und im Übrigen zahllose Disteln, bösartige Kakteen und unzählige Gesteine. Bis vor einigen Jahrzehnten gab es überhaupt einen einzigen, benutzbaren Maultierpfad, der von Areopolis nach Süden führte, sich dann irgendwo gabelte und sich im Geröll verlor, das von den südlichen Ausläufern des Taygetos unermüdlich herab kollert. Der Ruhm der Manioten als Seefahrer, nein, Seeräuber, ja sogar als Sklavenhändler – nicht nur als Kriegshelden - ist legendär. Man wähnt in ihnen Nachkommen der Spartaner, die – um dem Schicksal eines Kasernen- und Polizeistaates Spartas zu entgehen, diesem den Rücken kehrten, und eines Slawenstammes der sich während der Völkerwanderung vom Hauptvolk aus bis heute unerklärlichen Ursachen absplitterte. Dieser Stamm, der sein Blut noch mit Ureinwohnern und mit Albanern auffrischte, konnte von den Türken nie bezwungen werden. Auch Franken gelangten hierher, 750 Jahre nach den Slawen aber. Darum gibt es hier wider erwarten auch blondhaarige und blauäugige Kinder. Am Eifrigsten waren die Manioten bei der Sache, wenn es galt, untereinander Krieg zu führen. Die berühmten Steintürme in den Dörfern, manche bis zu 12 m hoch und mit Schießscharten versehen, sind ein beredtes Zeugnis für diese permanente Lust am Kleinkrieg, dessen Ursache meist so lächerlich waren, dass es sich nicht lohnt, auch nur darüber nachzudenken. Die meisten dieser Türme stehen heute leer. Sie scheinen dadurch noch viel abweisender, schroffer. Manche sind zu komfortablen Ferienwohnungen umgerüstet worden, um dem Anschein von Totenhäusern zu entfleuchen. Mit allen diesen Eindrücken reist man gerne in die hellere Argolida zurück. Durch wilde Berglandschaften, durch das fruchtbare Tal des Eurotas gelangen wir nach Sparta, was heute nicht mehr bedeutend ist. Die Felsenklöster Arkadiens (Eloni) beeindrucken in kaum beschreiblicher Weise, bevor wir nach Kynouria kommen, dem einzigen Küstenabschnitt, über den Arkadien verfügt und als einer der schönsten, landschaftlich bezauberndsten Küstenabschnitt ganz Europas gilt. Das beginnt- wie so oft im mediterranen Raum – mit der wechselhaften Färbung des Meeres, die mit den hoch aufragenden Bergkämmen und Hügelketten des berühmten Parnon und des Zeniotsagebirges kontrastiert, die aber immer auch von der Tageszeit abhängt, vom Lichteinfall der Sonne, von den anmutigen bis aufrührerischen Bewegungen des Windes… Prachtvoll der Glanz des entflammten Meeres, wenn es unter der arkadischen Mittagssonne schmilzt, während ein goldfarbener Widerschein, ein betörender Silberglanz bis an die Krümmung des Horizontes reicht. Die Bilder, die das Meer von der Küste in meine Erinnerung projiziert, stellen nicht die einzige Verzauberung dar, der ich fast anstandslos erliege. Da dehnen sich Ölbaumwälder, da kauern die ockerfarbenen Überreste eines venezianischen Kastells unter schrägem Sonnenlicht, das auch die ziegelrote Erde zum Glühen bringt. Weißwollene Schafe und schwarze, gelbäugige Ziegen traben Staub aufwirbelnd über Ginstersträucher. Dunkelgrüne Zypressen in schnurgerader Linie hangaufwärts, daneben ein paar Orangenhaine, hinter rötlichfarbenen Felswänden öffnen sich plötzlich halbmondförmige Buchten. Mittagsrast, Mittagsruhe. Das Schreien einiger Hähne, heisere, Krächzendes Geplärr einiger Esel, die mit ihren Unmut kundtun, zerreissen die mittägliche Ruhe. Das Labyrinth der engen Gassen mag diesen Eindruck noch verstärken. Es dauert Stunden, bis wieder reges Leben herrscht. Die Sonne steht schon tief über dem Meer. Die engen Gässchen und Straßen füllen sich mit wundervollen, langbärigen Poen, scheuen Kindern und stolzen Polizisten, diem mit heftigen Handbewegungen den kaum vorhandenen Verkehr regeln. Die Lebhaftigkeit täuscht. Viele Häuser verfallen… Wir sind wieder im Land der Atriden und gehen ihren Spuren trotz unsäglicher Hitze in Mykenai nach, wo Schliemann 1882 auf eine goldene Totenmaske stieß, die er fälschlicherweise für jene von Agamemnon hielt, aber dadurch doch eine alte Geschichtswelt zu neuem Leben brachte. Die Ilias, die Odyssee, Tragödien/Komödien von Aischylos und Sophokles, das Schicksal der schönen Helena, die Liebesabenteuer und vergehen ihrer Schwester Klytaimnestra werden jedem Besucher lebendig, der die fruchtbare, grundwasserreiche, im Sommer aber flusslose Ebene der Argolis durchquert und auf den mit Oleander umsäumten Straßen zu den antiken Kultstätten findet. Auf der Rückfahrt Stopp in Nafplion, der ersten Hauptstadt des von den Türken befreiten Griechenland. Von weitem sticht die wuchtige Anlage der Festung Palamidi auf dem Felsrücken ins Auge. 999 Stufen führen hinauf und entschädigen für den mühsamen, steilen Aufstieg. Der hang zum Meer stürzt steil ab, wuchernde Feigen-Kakteen, ein Blick, der selbst Göttern zur Freude gereichen würde. Fortsetzung folgt (nicht?)
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Kennzeichnend für Griechenland allgemein ist die erstaunliche Vielgestaltigkeit des Landes.
Auf der einen Seite hochaufragende Berge und Gebirgsmassive, wie der Pin...
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