Poseidontempel, Kap Sounion | griechenland.de

Poseidon Tempel

Der Poseidontempel in Sounion war eine Stätte, an der Seeleute für eine Reise die Gunst des Meergotts erbitten konnten

 

Er wurde gegen 440 v. Chr. als dorischer Peripteros errichtet, während der Regierungszeit des Perikles, als auch der Parthenon in Athen erbaut wurde.

​Grundriss eines Peripteros

Der Grundriss mit umlaufendem Säulenkranz, davon je sechs Säulen an Vorder- und Rückseite, ist typisch für die Periode seiner Errichtung. Es wird vermutet, dass von dem Architekten Kallikrates entworfen wurde, nach dessen Plänen auch der Tempel des Hephaistos in Athen, der Nemesis-Tempel in Rhamnous und der Ares-Tempel in Acharnes gebaut wurde.

Das Tempelgebäude steht exakt auf dem Grundriss seines Vorgängerbaus, was in Betracht der zeitlichen Differenz von mehreren Jahrzehnten eine Besonderheit darstellt, da der Neubau den „moderneren“, klassischen Normen eines dorischen Peripteros mit 6 × 13 Säulen entspricht.

Das Fundament des Bauwerks bildet ein dreistufiger Stylobat, der sich über eine Fläche von 31 m × 13,5 m ausdehnt und die Unregelmäßigkeit des Geländes ausgleicht.

Von den ursprünglich insgesamt 38 dorischen Säulen standen im 19. Jahrhundert noch 11 aufrecht, 5 weitere wurden mittlerweile wieder aufgestellt. Sie erwecken einen schlanken, relativ eleganten Eindruck, so dass sie fast ionisch wirken. Dies beruht darauf, dass ihr Basisdurchmesser bei nur 1 m liegt. Daraus ergibt sich bei einer Höhe von 6,10 m, dass die Säulen mehr als sechsmal so hoch wie breit sind, während das Richtmaß für die dorische Ordnung gewöhnlich bei viereinhalb- bis höchstens fünfmal lag. Zudem ist der Echinus, die Wulst zwischen Säulenschaft und Abakus, vergleichsweise schlank, d. h. nicht angeschwollen gestaltet. Das einzige, was die Säulen etwas breiter erscheinen lässt, ist die Verminderung der Anzahl der Kanneluren von den üblichen 20 auf 16. Diese Baumaßnahme hat keine ästhetische, sondern eine Schutzfunktion gegen die Erosion des Gesteins durch Wetter, Wind und Wellen. Die verkleinerte Oberfläche bietet den Naturgewalten nämlich eine geringere Angriffsmöglichkeit, sodass die Verwitterung verzögert wird.

Eine letzte Besonderheit der Säulen ist das verwendete Material, Marmor aus dem nahen Agrileza. Er enthält fast keine Eisenbestandteile, wodurch die gelbbräunliche Oxidation ausbleibt und die Säulen ihr noch heute makellos schönes Weiß behalten. Die starke Abgegriffenheit der Säulen beruht auf der gröberen Konsistenz des Marmors, der nicht so fein ist wie etwa Pentelischer Marmor.

Kap Sounion, Graffito Lord Byron

Von dem aus parischem Marmor gehauenen Skulpturenschmuck des Tempels sind nur spärliche Reste erhalten. Der Fries an der Ostseite stellte den Kampf der Kentauren mit den Lapithen dar, der Ostgiebel, von dem nur eine sitzende weibliche Figur erhalten ist, wahrscheinlich den Kampf zwischen Poseidon und Athene um die Herrschaft über Attika. Im rechteckigen fensterlosen Naos befand sich gegenüber dem Eingang das Kultbild, eine kolossale, bis zur Decke in 6 m Höhe reichende wohl vergoldete Bronzestatue des Poseidon. Poseidon dürfte wie üblich mit einem Dreizack dargestellt gewesen sein.

Schon in der Antike konnten Besucher der Versuchung nicht widerstehen, ihren Namen in Wände und Säulen zu ritzen. Solche Graffiti sind schon in den ältesten Berichten erwähnt. Auch Lord Byron hat sich in dieser Weise an der nördlichen Ante des Tempels verewigt.

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